SCHWARZKOPF

derfilm

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Dieser Kinodokumentarfilm handelt von einer spezifischen Gruppe von Österreichern mit Migrationshintergrund, die sich untereinander Schwarzkopf nennen; die meisten dieser Jugendlichen sind unzufrieden mit ihrer Bildungs- und Arbeitssituation, verbringen ihre Zeit auf der Straße, in Einkaufszentren und Parks. Und manche dieser Burschen sind sogar mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Der Film verwebt die Geschichten erwachsener Protagonisten mit jenen von Kindern und Jugendlichen des gleichen sozialen Umfelds im heutigen Wien. Schlüsselerlebnisse während der Schulzeit und auf der Straße ihres Viertels prägen und verbinden die Protagonisten unterschiedlichen Alters genauso wie Familienstrukturen und gemeinsame Interessen. Diese Verhaltensmuster werden anhand von Kindern und Jugendlichen des gleichen sozialen Umfelds im heutigen Wien dokumentarisch dargestellt: Schlüsselerlebnisse während der Schulzeit und auf der Straße ihres Viertels prägen und verbinden die Protagonisten genauso wie verfehlte Bildungsmaßnahmen der Stadt, zerrüttete Familienstrukturen und die eigene Ohnmacht, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Um möglichst authentisch zu sein und ein realistisches Portrait dieser Generation schaffen zu können, wurde mit Kindern und Jugendlichen an Originalschauplätzen gedreht: In Schulen, Parks, Wettbüros und auf der Straße ihrer Bezirke. Für die Darstellung dieser Muster – ohne jedoch selbst in Erklärungsmuster fallen zu wollen – wurde mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters, deren soziales Umfeld mit jenem der Protagonisten übereinstimmt, an Originalschauplätzen gedreht: In Schulen, Parks, Wettbüros und auf der Straße der Arbeiterbezirke Favoriten, Ottakring und Rudolfsheim-Fünfhaus. Aus dem anfänglichen Gefühl, der Zuschauer sähe in die Vergangenheit seiner Protagonisten, wächst das Bewusstsein über die Existenz mehrerer Generationen von Österreichern fremder Herkunft, deren Leben durch ähnliche Probleme in die gleiche Richtung gelenkt werden.

Das Leben unserer Protagonisten wird unsichtbar gelenkt von den Auswirkungen jahrelanger Sozialisation, den Konsequenzen ihrer vergangenen Entscheidungen und dem Fehlen eines konkreten Platzes in der Gesellschaft. Die Verhaltensmuster dieser Generation sind zwar noch nicht repräsentativ untersucht worden; sie sind selbstverständlich auch nicht als von einander separiert zu betrachten, sondern das Ergebnis komplexer sozialer Prozesse. Neue, teils unveröffentlichte qualitative Studien mit jugendlichen Häftlingen und Schulabgängern bzw. schulverweigernden Jugendlichen mit Migrationshintergrund deuten jedoch einen Trend an: der persönliche sozioökonomische Status, erlebte Ausgrenzung durch Mitschüler und Lehrer, mangelnde Zuwendung der Eltern, das Fehlen von Vertrauenspersonen, vermehrte Erfahrungen als Opfer von Gewalt, fehlende Erfolgserlebnisse in Schule und Beruf, Gruppenzwang und zerrüttete Familienverhältnisse prägen das Leben dieser Schwarzköpfe, wie sie sich gerne gegenseitig nennen.

Da es essentiell ist, diese gelebten Erlebnisse und Erfahrungen unserer Protagonisten für den Zuseher auch inhaltlich greif- und spürbar zu machen, ohne als Filmemacher dabei selbst in ettikettierungstheoretische Erklärungsmuster zu fallen, war es naheliegend, die sie prägenden Risikofaktoren und –situationen einzufangen, wenn sie auch tatsächlich passieren. Da die Generation unserer zentralen Protagonisten augenscheinlich nicht die letzte ist, die mit solchen Problemen zu kämpfen hat, liegt es auf der Hand, die nachfolgenden Generationen zu finden und zu begleiten. Es war das Ziel, Kinder und Jugendliche, Schüler und junge Häftlinge mit übereinstimmender Sozialisation und aus dem gleichen sozialen Umfeld unter anderem auch in Situationen zu begleiten, die vielen ihrer Altersgenossen, Nachfolgern und Vorgängern gleich oder ähnlich widerfahren sind, um die generationsübergreifenden Probleme aufzuweisen, die vom, aber auch durch das Heranwachsen dieser Gruppe in der Gesellschaft entstehen.

Wir suchten also anhand von Kindern und Jugendlichen nach prägenden Situationen und Momenten, in denen die besagten Sozialisations- und Verhaltensmuster am Deutlichsten zu Tage treten. Diese prägenden Verhaltensmuster werden durch Situationen bestimmt, die um das Leben unserer Protagonisten kreisen wie Planeten um die Sonne; sie passieren hauptsächlich in der Schule, bei Freizeithandlungen in Form von Abhängen in Parks, Einkaufszentren und Spielhallen, auf der Straße und in Wettbüros, bei den ersten Konfrontation mit Drogen und Kriminalität, und schließlich in der Haft. Die für diese jungen Männer so signifikanten gewalttätigen Auseinandersetzungen beginnen dabei meist schon im Volksschulalter und manifestieren sich als zweithäufigstes Delikt in Form der Körperverletzung und Nötigung in einem erschreckenden Ausmaß als unmittelbare und selbstverständliche Reaktion auf äußere und Kanalisierung innerer Konflikte im Leben der Protagonisten.

Daraus resultierende mögliche Szenen wurden während der Dreharbeiten und in Abstimmung mit den Kindern und Jugendlichen weiter ausgearbeitet und verfeinert. Am Ende steht durch die Begegnung der Figuren – der erwachsenen und der noch jüngeren Generation – bei einem Konzert des zentralen Protagonisten Ardalan (Nazar) ein geschlossener und Generationen verbindender Erzählbogen. Bis zum Ende der ersten Hälfte des Filmes sollten diese verhaltensprägenden Situationen wie Momentaufnahmen des Lebens unserer vier Hauptprotagonisten auf den Zuseher wirken; danach emanzipieren sie sich von der Gegenwart dieser Personen und verfolgen das Leben der jüngeren Generationen, zeigen dem Publikum auf dass es sich nicht um Einzelschicksale handelt, dass die Problematik eine aktuelle und schwerwiegende ist, die das Leben vieler in Wien heranwachsender Jugendlicher mit Migrationshintergrund stark beeinflusst.